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13. September 2017 |
Bürgermeisterinfo

Reden wir über den „Gelben Sack“

Schlechte Qualität, Ärger um die Beschaffung. Die „Gelben Säcke“ sind ein schwieriges Thema. Eines, das oft bei den Kommunen landet. Zu Unrecht. Denn die haben mit den Wertstoffsäcken nichts zu tun.


Eigentlich kein kommunales Thema. Indirekt aber schon. Denn fast täglich werden wir angesprochen, wo denn nun die Wertstoffsäcke zu bekommen seien. Fast täglich erleben unsere Mitarbeiter, aber auch die ausgebenden Stellen,  dass Bürgerinnen und Bürger ihrem Ärger über die Missstände in Qualität und Verfügbarkeit der „Gelben Säcke“ Luft machen. Allerdings an der falschen Adresse.
Grund genug ein paar Fakten klarzustellen. Das System wurde Anfang der 1990er Jahre eingeführt, um den Verpackungsmüll einzudämmen und die darin enthaltenen Stoffe einer Wiederverwertung zuzuführen. Für die Entsorgung von Verpackungen bezahlen Sie bereits beim Kauf. Denn im Preis für das Produkt ist eine Abgabe an das Duale System Deutschland für das Einsammeln und die Verwertung der Verpackung enthalten. Genau, hinter dem Begriff „Duales System Deutschland“ (DSD) verbirgt sich der Betreiber des Sammel- und Verwertungssystems. Dieses System hat nichts mit der Abfallsammlung der Kommunen, die in der Stadt Wadern über den Entsorgungsverband Saar (EVS) erfolgt, zu tun. Das heißt, die Verantwortlichkeit für die Verteilung der „Gelben Säcke“ an die Bürgerinnen und Bürger ist Aufgabe des DSD, nicht der Kommune. Nun fragt man sich natürlich, warum für lange Zeit, bei vielen Ausgabestellen, bei manchen Ortsvorstehern, aber auch bei uns im Rathaus die „Gelben Säcke“ erhältlich waren. Ganz einfach: aus Servicegründen. Um Ihnen weitere Wege zu ersparen, respektive auch um ein System zu unterstützen, das an sich ja sinnvoll ist: eben Wertvolles wiederzuverwerten.
Im Laufe der Jahre häuften sich allerdings die Beschwerden. Die Qualität der Säcke habe nachgelassen. Nie stünden an den Ausgabestellen genügend Säcke zur Verfügung. Lästig ist vielen Bürgerinnen und Bürgern auch das Unterschreiben für eine Rolle in den Ausgabestellen. Dort zwei Rollen mit einer Unterschrift zu bekommen, ist auch kein leichtes Unterfangen… Kurzum: viel Ärger, wenig Aufklärung und eine grundsätzliche Verstimmung bei denen, die die Wertstoffsäcke nutzen sollen und denen, die sie als Serviceleistung ausgaben bzw. ausgeben. Genau dieser Hintergrund war für uns als Verwaltung auch der Grund aus dem Verteiler-System auszusteigen, zumal die Ausgabe oft über Postagenturen, kleinere Geschäfte oder auch über die Ortsvorsteher gesichert war und ist.
Diese Front bröckelt allerdings gerade. Immer weniger sind bereit, als Ausgabestelle zu fungieren, auch weil der Arbeitsaufwand für die Verteilung in keinem Verhältnis zur sehr geringfügigen Abgeltung eben dieser Leistung durch das Duale System Deutschland steht. Zudem ist und war der Ärger mit den Nutzern der Säcke allenthalben.
Für die Lieferung der Wertstoffsäcke in die Stadt Wadern ist die Friedrichsthaler Entsorgungsfirma Paulus zuständig. Deren Mitarbeiter Dieter Wacker erklärte der Saarbrücker Zeitung (Ausgabe vom 20. August 2017, Zitat): „Das DSD kalkuliert mit rund 0,4 Rollen pro Einwohner pro Jahr mit einer Gesamtzahl von 30 gelben Säcken auf einer Rolle. Umgerechnet ergibt das 13 Tüten pro Einwohner für das gesamte Jahr. Die Firma Paulus hingegen erhöhte bereits vor Jahren die Anzahl und kalkulierte beispielsweise im Jahr 2016 28 Tüten pro Einwohner pro Jahr (…).
Der Differenzbetrag von 400 000 Euro zwischen der vom DSD herausgegebenen Menge an Gelben Säcken und der Anzahl, die Paulus zusätzlich zur Verfügung stellte, musste jedes Jahr auch von der Firma selbst getragen werden. Außerdem kann auf Grund falscher Abfalltrennung 30 Prozent des Inhalts des Gelben Sackes nicht verwertet werden. ‚Der Gelbe Sack wird sehr oft zweckentfremdet. Zu Hauf befinden sich Essensreste, Kleidungsstücke und Windeln darin‘, so Wacker (…). Um die Bürger zu sensibilisieren, ordnungsgemäß zu trennen, entschloss sich Paulus Recycling das Kontingent der Säcke in diesem Jahr um rund 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu reduzieren. Das heißt: statt 28 erhält jeder Einwohner nun 16 Säcke pro Jahr respektive 0,6 Rollen – immer noch mehr als die Grundverteilung laut DSD. Problematisch wurde es dann aber, als die spanische Firma, die die Säcke produziert, Lieferprobleme meldete, erklärt Wacker. Vielerorts fehlt somit produktionsbedingt der Nachschub.“
Womit der zweite Ärgerpunkt erklärt ist. Aktuell gibt es nämlich Nachschubschwierigkeiten, die nichts mit einer künstlichen Verknappung zu tun haben, sondern sich mit Produktionsrückständen des Herstellers erklären lassen.
Sie sehen, die Lage ist komplex. Und eigentlich auch keine Angelegenheit der Kommunen im Saarland. Wahrscheinlich aus der irrigen Annahme heraus, dass wer Rest- und Biomüll sammelt auch für die Wertstoffsammlung verantwortlich sein könnte, landet der Unmut vieler Bürgerinnen und Bürger dennoch im Rathaus, zuweilen auch bei den Ortsvorstehern. Wir geben diese Beschwerden übrigens immer an die zuständige Firma Paulus weiter, mit der Bitte, Abhilfe zu schaffen und für eine Befriedung zu sorgen. Mehr steht leider nicht in unserer Macht. Wenn Sie Fragen haben, können Sie das Unternehmen gerne auch selbst kontaktieren. Unter der Telefonnummer 068978560030 stehen Ihnen kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.
Ich wünsche Ihnen eine gute Woche.
Ihr

Jochen Kuttler


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