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Mehrwert auf zwei Rädern

Elektrisch und ideal als Zeitvertreib in der Corona-Krise. Das totgesagte Fahrrad lebt! Und das ist natürlich absolut in unserem Sinne! Die Stadt Wadern setzt sich seit Jahren massiv für die Nutzung des Fahrrads ein, nicht immer vor leichter Kulisse. Die Mühlen mahlen zwar langsam, aber sie mahlen. Zeit für eine detaillierte Bestandsaufnahme. Wo stehen wir eigentlich in Sachen Ausbau von Radwegen und Ladestationen, der Einrichtung von touristischen Strecken von Mountain-Bike-Parcours. Und wie sieht es mit der Zukunft des Alltagsradverkehrs bei uns aus?

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Im September hat die E-Velo-Strecke „Rund um Wadern“ ihren „Betrieb“ aufgenommen. Auf 46 Kilometern geht es rund um unsere Stadt. Unser Foto zeigt die Montage eines Wegweisers im Sommer 2020. Foto: Erich Brücker
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Radfahren ist keine Frage des Alters: Mehr Sicherheit zu erlangen, auch und gerade im Umgang mit dem E-Bike, war das Ziel von drei Radfahrtrainings, die wir dieses Jahr organisiert haben. Fortsetzung folgt.
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Auch im Herbst werden die Ladestationen für die elektrischen Fahrräder genutzt. Den Einheiten in Noswendel (See) und Wadern (Platz Montmorillon) sollen weitere folgen. Die Ladestationen werden ergänzt durch ein Netz an von Abstellbügeln an weiteren viel frequentieren Orten. So soll eine möglichst diebstahlsichere Befestigung der Räder ermöglicht werden.

Reden wir über das Radfahren. Zugegeben, angesichts der Jahreszeit ein ungewöhnlicher Moment, das Thema anzuschneiden, aber es geht um Fragen der Strategie, des langfristigen Handelns: Wo stehen wir? Was wurde bisher erreicht? Wo wollen wir langfristig hin?

Beginnen wir mit dem Ist-Zustand. Hier gibt es Erfreuliches zu vermelden, aber auch Ärgerliches. Fangen wir mit dem Ärgerlichen an. Der Lückenschluss des Radweges zwischen Münchweiler und Nunkirchen wird sich weiter verzögern. Genau wie der Anschluss von Büschfeld an den Radweg Schmelz-Limbach. Während der für beide Ausbaumaßnahmen zuständige Landesbetrieb für Straßenbau beim Lückenschluss Münchweiler-Nunkirchen als Grund für die Verzögerung Probleme mit dem zeitlichen Ablauf der Offenlegung der Planunterlagen angab, sorgte nach Angaben des LfS bei der Weiterführung des Radwegs von Limbach nach Büschfeld die Thematik einer möglichen Reaktivierung der dort noch rudimentär vorhandenen Bahnstrecke für eine Planungsverzögerung.

Gleichzeitig schickt sich der LfS an, den Radweg Lockweiler-Krettnich grundhaft instand zu setzen. An sich eine gute Nachricht, allerdings wollen wir eine Instandsetzung erreichen, die künftig massiven Schäden, so wie sie sich jetzt durch den Verkehr von beispielsweise landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen ergeben, vorbeugt. Mehr Befestigung – sei es nun in Asphalt oder auch über Spurbahnplatten – ist auch hier unsere Forderung. Verbunden mit der Aufforderung, den Radewegeausbau in unserer Stadt grundsätzlich nach vorn zu bringen. Unserer Meinung nach geschieht hier viel zu wenig. Auch im Vergleich mit Nachbarkommunen und Nachbarkreisen.

Ärgerliche Verzögerungen

Nun kann man Ärger für sich behalten oder aber offensiv darangehen, die Entwicklung zu verändern.  Wir haben uns selbstverständlich für Letzteres entschieden. Und haben alle Akteure (Vertreter des Landesbetriebs für Straßenbau, des Wirtschaftsministeriums und des Landesamts für Umweltschutz und der oberen Naturschutzbehörde, die in Sachen Radwege von Bedeutung sind) an einen Tisch gebeten. Mit durchaus bemerkenswerten Ergebnissen, wie wir finden.

Fangen wir beim Lückenschluss Münchweiler-Nunkirchen an: Hier hat der Landesbetrieb zugesichert, dass die Offenlegung der Planunterlagen bis Oktober 2021 abgeschlossen sein wird, unmittelbar danach soll mit der Rodung der Fläche und dann mit dem Bau der Radwegetrasse begonnen werden. Unabhängig davon soll die Rad-Unterführung in Münchweiler so umgebaut werden, dass die Straßenverkehrsbehörde diese auch abnehmen kann. In der gleichen Baumaßnahme soll eine Brücke so aufgeweitet werden, dass eine fußläufige Verbindung zur einzigen Bushaltestelle des Dorfes in der Nähe des AWO-Bauernhofes hergestellt werden kann.

Wenn all dies geschehen ist, hat es von dem Grundgedanken des Radweg-Lückenschlusses bis zur Realisierung der Trasse sage und schreibe 18 Jahre gedauert. Das ist traurig und bedauerlich, liegt aber nicht in der Verantwortung der Stadt Wadern. Wir werden trotzdem nicht müde, den Finger in die Wunde zu legen. Und nicht ruhen, bis den Worten endlich die entscheidenden Taten folgen werden.

Das gilt auch für den Lückenschluss zwischen Limbach und Büschfeld. Legt man die Angaben zugrunde, die aktuell durch die Presse gehen, werden mindestens 15 bis 25 Jahre veranschlagt, den Streckenabschnitt Saarlouis-Limbach zu ertüchtigen – wahrscheinlich, weil eine Ertüchtigung quasi einem Neubau gleichkäme. Vom Abschnitt Limbach-Büschfeld ist da noch nicht einmal die Rede. Sowohl uns als auch dem Stadtrat schien es angesichts eines solchen Szenarios mehr als sinnvoll, den Radwegeausbau auf der Trasse zu forcieren. Denn selbst wenn man in 25 Jahren über die Reaktivierung der Bahnstrecke in diesem Teilabschnitt nachdenken würde, käme nur ein Neubau in Frage. Ein Neubau indes ließe sich auch neben der bisherigen Strecke bzw. an anderer Stelle realisieren. Genau das hat der Stadtrat in einem entsprechenden Beschluss den Verantwortlichen in Saarbrücken auch so signalisiert.

Lange Rede, kurzer Sinn: Sowohl LfS als auch Wirtschaftsministerium wollen nun alles daransetzen, dass der Radwege-Lückenschluss Limbach-Büschfeld möglichst rasch realisiert wird. Auch die Fortführung des Weges ab dem Bahnhof Büschfeld wird vorangetrieben, wobei uns hier naturschutzrechtliche Vorgaben vor mehr als anspruchsvolle Herausforderungen stellen werden. Hier gilt es auch, auf Alternativensuche zu gehen.

Lückenschluss Bardenbach-Buttnich

Einigkeit konnte in der o.a. Sitzung auch darüber erzielt werden, dass eine Befestigung des rund 600 Meter langen bislang in Schotter ausgeführten Teilstücks zwischen Bardenbach und Buttnich erfolgen muss. In welcher Ausbauweise genau, das soll und muss noch diskutiert werden. Eine Fortführung des aus Bardenbach kommenden Spurplattenweges war aber der Mindestkonsens in der o.a. Besprechung. In dieser Sitzung war auch der Streckenabschnitt Lockweiler-Primstal Thema. Eine Befestigung neuralgischer Punkte, also u.a. Abschnitte, die beispielsweise auch von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen in Anspruch genommen werden, dürfte indes nicht ganz so kritisch sein und wurde mit Wohlwollen gesehen.

Wir als Stadt werden beide Radwegprojekte sehr aufmerksam begleiten, auch weil wir ein existenzielles Interesse daran haben, sowohl den Alltags- als auch den touristischen Radverkehr nachhaltig zu stärken. Deshalb freuen wir uns auch darüber, dass in der oben angeführten Besprechung auch die Lückenschlüsse zwischen Nunkirchen und Bardenbach (zirka 1,5 Kilometer fahrbahnbegleitender Radweg entlang der L148) sowie ein neues Radwegeprojekt, die Verbindung von Wadern nach Thailen (L151), angesprochen wurden. Hier hat der Landesbetrieb für Straßenbau angekündigt darauf hinzuwirken, beide Projekte in vereinfachten Verfahren (im Gegensatz zu den Projekten Münchweiler-Nunkirchen und Limbach-Büschfeld) realisieren zu wollen. Die Kunde vernehmen wir gerne, bleiben natürlich dran und sind auf die weitere Entwicklung gespannt.

Dranbleiben heißt das Motto auch in Bezug auf die Ausweisung von Radschutzstreifen. Radschutzstreifen, das sind die weißen Markierungen an den Straßenrändern, die Radfahrern ein Minimum an Sicherheit geben sollen. Hört sich gut an, doch die Sache hat gleich ein paar Haken. Zum einen muss die Fahrbahnbreite mindestens 7,50 Meter betragen, damit überhaupt Radschutzstreifen ausgewiesen werden können. Wir haben zwischenzeitlich alle in Frage kommenden Straßen im Stadtgebiet auf dieses Kriterium hin untersucht und der Straßenverkehrsbehörde in Merzig sowie der Polizei hier bei uns eine Übersicht zukommen lassen, wo wir uns als Stadt überall Radschutzstreifen vorstellen können.

Problemfall Phantommarkierung

Diese Übersicht wird nun von der Straßenverkehrsbehörde mit (u.a.) dem Landesbetrieb für Straßenbau abgestimmt. Dabei dürfte auch ein interessantes Detail von Bedeutung sein: Allgemein gilt nämlich, dass, wenn man links und/oder rechts am Fahrbahnrand Radschutzstreifen ausweist, der Mittelstreifen – wenn denn vorhanden – nicht einfach so überpinselt werden darf, weil sonst sogenannte „Phantommarkierungen“ entstehen, die die Autofahrer verwirren könnten.

Sie haben richtig gelesen, „Phantomstreifen“! Legt man dieses – im Saarland etliche Male nicht berücksichtigtes – Kriterium zu Grunde, dann kommen Radschutzstreifen faktisch nur dann in Frage, wenn eine Belag-Sanierung ansteht. Anders ausgedrückt: Die kleine Maßnahme mit großer Wirkung würde sich in unserer Stadt um Jahre verzögern. Wir kämpfen aktuell dafür, dass man die Phantomstreifen Phantomstreifen sein lässt und dem dringenden Bedürfnis der Radfahrer auf ein kleines Stückchen mehr Sicherheit auch bei uns mehr Rechnung trägt als es in der Vergangenheit der Fall war. Sollten wir hier grünes Licht bekommen, würden wir unsere Vorschläge für die Ausweisung von Radschutzstreifen in die Ortsräte geben. Wir wollen und brauchen hier nämlich eine möglichst große Akzeptanz vor Ort. Zumal die Sache eine, aus Sicht der Autofahrer, entscheidende Unannehmlichkeit mit sich bringt. Denn eines ist auch klar: Sind Radschutzstreifen erst einmal ausgewiesen, kann dort logischerweise nicht mehr auf der Straße geparkt werden. Wir sind uns sicher, dass auch diese Vorgabe durchaus für Diskussionen sorgen wird.

E-Velo-Strecken, Fahrtrainings, Ladestationen

Sie sehen, der Weg ist beschwerlich, aber er ist auch alternativlos, will man wirklich mehr Menschen zum Umsteigen vom Auto auf das Fahrrad bewegen. Wir geben uns da alle Mühe, hatten auch ein großes Radfest für Juni 2020 – in Kooperation mit Radsportvereinen in der Stadt – in Planung, was dann, wie so vieles in diesem Jahr, allerdings den Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zum Opfer fiel. Mit dem Radfest sollte auch die Einweihung fünf neuer E-Bike-Rundstrecken im Kreis Merzig-Wadern gebührend gefeiert werden. Deren Einrichtung, die über Bundesmittel finanziert wurde, war eine Idee der Stadt Wadern, die die Saarschleifenland Tourismus GmbH nicht nur aufgegriffen sondern auch umgesetzt hat. Zwei der fünf sowohl komplett beschilderten als auch mittels Navigationssystem befahrbaren E-Velo-Strecken tangieren die Stadt Wadern („Rund um Wadern“ – 46 km; Hochwald-Idyll – 58 km). Ziel der Parcours ist es, zum einen das touristische Profil der Region als Radfahrerland zu schärfen, zum anderen soll die Infrastruktur, die bislang vor allen Dingen Wanderer begeisterte, doppelt genutzt werden. Im kommenden Jahr werden die E-Velo-Runden noch „möbliert“, das heißt mit Tischen und Bänken, Sinnesbänken, Tafeln etc. ausgestattet. Weitere Ladestationen für die elektrischen Räder sind in Planung u.a. in Krettnich, in Büschfeld und in Nunkirchen.

Auf einem guten Weg sind wir auch, was die Einrichtung von Mountain-Bike-Strecken angeht im Stadtgebiet. Ein sehr weites, weil facettenreiches Feld. Hier werden wir, dank einer Förderung, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, die dazu führen soll, dass wir in enger Abstimmung mit den weiteren Angeboten in der Region Streckenführungen entwickeln, die sowohl attraktiv als auch in ihrer Ausgestaltung für die Fans der Szene interessant sind.

Wir wollen und wir werden uns in Sachen Radfahren breit aufstellen. Und wir werden alles daransetzen, Jung und Alt für das Thema zu begeistern. Ein Ansinnen, das unsere Nachbarkommunen nicht nur unterstützen, sondern im aktiven Austausch mit uns ebenfalls massiv vorantreiben. Die Zusammenarbeit klappt toll, die Zielvorgabe ist klar: Machen wir aus unserer Region eine Region, in der Radfahren genauso zum Alltag gehört wie es Menschen für unsere Heimat begeistert. Das ist Aufgabe und Herausforderung zugleich. Wir halten Sie selbstverständlich über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden.


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