Kastanienhof
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Die 120 „Mitarbeiterinnen“ stehen im Mittelpunkt

Können Sie sich noch an den Geschmack von Milch „direkt von der Kuh“ erinnern? Demnächst können Sie sich diesen Geschmack wieder nach Hause holen, wenn Sie nämlich die Milch direkt an der Zapfstelle des Kastanienhofes in Münchweiler in die mitgebrachte Flasche abfüllen. Ab 2. Juli geht dort nämlich die erste Selbstbedienungs-Milchzapfstelle in der Stadt Wadern in Betrieb. Aufgestellt hat sie Josef Fontaine, der zusammen mit seiner Frau Monika seit Mai den elterlichen Hof übernommen hat.

Frage: Herr Fontaine, Milch gibt’s im Karton im Supermarkt, was erwartet uns in Ihrem Milchhäuschen?

Josef Fontaine: Als erste Neuigkeit nach der Übernahme des Hofes haben wir ein Milchhäuschen vor unserem Hof errichtet. Wir erhoffen uns, neben dem Milchverkauf, wieder etwas mehr mit den Leuten aus der Region ins Gespräch zu kommen. Wir möchten zeigen, was wir machen und vor allem wie und warum. Zum Start am 2. Juli werden wir von 10 bis 12 Uhr die Milch an unserem Automaten kostenfrei abgeben. Wir hoffen, dass dann viele Besucher kommen, die das Angebot einfach mal ausprobieren wollen. Zusätzlich möchten wir in der Zeit auch den Milchtrinkern zeigen, wie unsere Kühe leben. Deshalb werden wir gruppenweise die interessierten Besucher durch unseren Stall führen.

Frage: Und wie komme ich als „Durstiger“ an die Milch?

JF: Die Zapfstelle funktioniert ganz einfach: Sie werfen eine Münze ein, stellen eine Flasche in den Automaten und schon kommt die gekühlte Milch raus. Da sie nicht abgekocht und nicht homogenisiert ist, enthält sie noch alle Vitamine und hat ihren natürlichen Fettgehalt und vollmundigen Geschmack. Natürlich sollten Sie die Milch auch bald bei sich zu Hause in den Kühlschrank stellen. Nach dem Eröffnungstag steht das Milchhäuschen täglich rund um die Uhr zur Verfügung.

Frage: Sie haben den Hof der Eltern übernommen. War das schon immer Ihr Plan?

JF: Den Kastanienhof gibt es seit 1932, und meine Frau und ich sind die vierte Generation, die ihn bewirtschaftet. So etwas gibt man nicht leichtfertig auf. Natürlich wollte ich mich nach dem Abi erstmal umsehen, aber als die Zivildienststelle auf sich warten ließ, habe ich auf dem Kastanienhof weiter mitgearbeitet und dann recht bald an der FH Osnabrück Landwirtschaft studiert. Der Beruf ist sehr Abwechslungsreich, man muss sich nicht nur mit der reinen Landwirtschaft auskennen, sondern auch mit Finanzen. Man muss den Markt beobachten, die Investitionen planen, die Mitarbeiter führen, also alles genauso wie ein Geschäftsführer in einer anderen Branche. Da wird einem nie langweilig.

Frage: Und wo steht der Kastanienhof nach 85 Jahren des Bestehens?

JK: Wir sind ein Futteranbaubetrieb mit Spezialisierung auf Milchviehhaltung, wie der Fachmann sagen würde. Neben 210 Hektar Land bewirtschaften wir noch 30 Hektar Wald. Aktuell haben wir 2 Mitarbeiter und einen Azubi. Mein Vater hat als Landwirtschaftsmeister bisher 30 Azubis ausgebildet, der Beruf ist nach wie vor angesagt und es gibt immer mehr Quereinsteiger, die nicht aus einer Landwirt-Familie kommen. In unserem modernen Stall sind derzeit 120 Milchkühe.

Frage: Für den Laien also ein Großbetrieb?

JK: Zum Vergleich: Im Auslandssemester habe ich auch landwirtschaftliche Betriebe in den USA kennengelernt. Dort arbeitete ich auf einem Hof mit viermal so vielen Tieren, das gilt dort als Kleinbetrieb! Jedoch Milchbetriebe mit 3.000 Tieren sind dort keine Seltenheit, bei einer richtigen Ranch können es noch mehr sein. In Münchweiler gab es früher 12 Landwirtschaftsbetriebe, heute sind es nur zwei bei nahezu gleicher bewirtschafteter Fläche. Es ist also alles eine Frage des Blickwinkels. Natürlich geht das nur durch eine gewisse Mechanisierung, unser Bestand an Maschinen ist schon nicht ohne.

Frage: Das hört sich sehr technisch an. Ist das noch Landwirtschaft?

JK: Ach, das sind nur Hilfsmittel, wir behalten fest im Blick, dass wir es hier mit lebendigen Tieren zu tun haben. In unserem modernen Stall mit viel Tageslicht können sich unsere Kühe frei bewegen. Die Tiere gehen wann sie wollen zum Melkroboter, an die Futterstelle oder an die rotierenden Bürsten zur Fellpflege. Man kann sagen, unsere 120 „Mitarbeiterinnen“ stehen bei uns im Mittelpunkt. Unser Jungvieh sowie Tiere, die nicht gemolken werden, laufen im Sommer frei auf unseren Weiden. Aber dadurch, dass wir außerhalb des Dorfes liegen, erschließt sich vielleicht nicht jedem, wie Landwirtschaft heute geht. Daher wollen wir mit Hilfe des Milchhäuschens und unserer Eröffnung am 2. Juli enger mit den Menschen vor Ort in Kontakt treten.

Monika und Josef Fontaine auf der Sommerweide des Kastanienhofes.

Kontakt

Kastanienhof

Familie Fontaine

Muenchweiler 13

66687 Wadern

www.kastanienhof-info.de

 

 

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