Reden wir über… die Feuerwehr. Brandschutz und Technische Hilfe sind Pflichtaufgaben der Kommunen. Das Saarländische Brand- und Katastrophenschutzgesetz verpflichtet uns, eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen, auszustatten und zu unterhalten. Das ist die nüchterne gesetzliche Seite. Feuerwehr ist aber sehr viel mehr…
Feuerwehr ist Ehrenamt, Gemeinschaft und in unseren Dörfern auch ein wichtiger Kulturträger. Sie gehört zum gesellschaftlichen Leben. Und vor allem sind dort Frauen und Männer bereit, anderen zu helfen – tagsüber, nachts, am Wochenende und an Feiertagen. Genau deshalb investieren wir als Stadt Wadern seit Jahren viel Geld, aber auch sehr viel Herzblut in die Frage, wie wir unsere Feuerwehr so aufstellen, dass sie auch morgen und übermorgen noch funktioniert.
Denn Feuerwehr hat sich verändert. Und zwar ziemlich grundlegend: Die Technik wird aufwendiger, leistungsfähiger und teurer. Die Anforderungen an Ausbildung und Spezialwissen steigen. Verkehrsunfälle, Gefahrstofflagen, Starkregen, Hochwasser, Wald- und Flächenbrände stellen heute andere Anforderungen als noch vor 20 oder 30 Jahren.
Mehr Technik, weniger verfügbare Menschen
Gleichzeitig stehen vielerorts weniger Menschen für den aktiven Feuerwehrdienst zur Verfügung. Viele Kameradinnen und Kameraden arbeiten tagsüber nicht mehr im eigenen Ort. Sie pendeln. Arbeitswelten haben sich verändert. Und auch der demografische Wandel macht vor der Feuerwehr nicht halt. Zugespitzt könnte man sagen: mehr Technik, mehr Spezialisierung, höhere Anforderungen – und gleichzeitig weniger jederzeit verfügbares Personal.
Und dazu kommt etwas, das wir ebenfalls nicht ausblenden dürfen: Feuerwehr ist heute noch stärker Teil des Bevölkerungsschutzes. Wir neigen dazu, die weltpolitischen Entwicklungen weit weg zu schieben. Aber die Ereignisse der vergangenen Jahre zeigen uns ziemlich deutlich, dass Krisen schneller näher kommen können, als uns lieb ist. Energieversorgung, längere Stromausfälle, Kommunikationsfähigkeit in Krisenlagen und die gesamte zivile Gefahrenabwehr beschäftigen Bund, Länder, Landkreise und Kommunen wieder sehr viel stärker als noch vor einigen Jahren. Auch darauf müssen wir vorbereitet sein. Kurz gesagt: Wir müssen uns anders aufstellen. Und wir stellen uns anders auf. Dazu gehört auch, gewachsene Strukturen nicht deshalb für alle Zeiten festzuschreiben, weil sie schon immer so waren.
Noch vor einigen Jahren wäre die Diskussion über die Zusammenlegung zweier Löschbezirke vielerorts beinahe ein Sakrileg gewesen. Feuerwehr und Dorf gehören eng zusammen. Das ist verständlich. Aber genau deshalb waren solche Diskussionen früher oft hoch emotional. Sie konnten politisch scheitern – oder am Ende sogar das Engagement derjenigen beschädigen, die man eigentlich braucht. Umso mehr freut mich, wie wir diese Diskussion heute in der Stadt Wadern führen.
Gemeinsam geht mehr!
Am 26. August haben sich die Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden aus Morscholz und Steinberg in einer gemeinsamen Sitzung für die Zusammenlegung ihrer beiden Löschbezirke ausgesprochen. Am 13. September wurde dann die gemeinsame Löschbezirksführung gewählt. Chris Jungels übernimmt die Führung des neuen Löschbezirks Morscholz-Steinberg, Matthias Klauck und Sebastian Arend stehen ihm als Stellvertreter zur Seite. Ihnen danke ich ausdrücklich dafür, dass sie bereit sind, Verantwortung für diesen neuen gemeinsamen Weg zu übernehmen.
Und ich danke allen Kameradinnen und Kameraden aus beiden Löschbezirken. Denn hinter einer solchen Entscheidung steckt mehr als eine organisatorische Änderung. Da hängen Traditionen dran, persönliche Bindungen und die Identifikation mit dem eigenen Löschbezirk. Entscheidend ist für mich aber: Alle Beteiligten glauben einander, dass sie dasselbe wollen – eine starke Feuerwehr für die Menschen unserer Stadt. Das ist ein großer Unterschied zu früher.
Wenn wir über neue Strukturen und Spezialisierung reden, dürfen wir dabei übrigens nicht nur auf die Stadt Wadern schauen. Auch die Zusammenarbeit der Feuerwehren im Landkreis wird enger und wichtiger. Nicht jede Spezialaufgabe muss künftig überall gleichermaßen vorgehalten werden. Fähigkeiten, Technik und Ausbildung können sinnvoll verteilt und gemeinsam genutzt werden. Wie gut das bereits funktioniert, zeigt der Fachzug Waldbrand Nord des Landkreises, in dem gleich mehrere Löschbezirke der Stadt Wadern zentrale Aufgaben übernehmen und der in diesem Jahr mit den Waldbränden in Kastel und Illingen-Hirzweiler erstmals auch außerhalb des Landkreises im Einsatz war. Auch hier verändern sich also Dinge. Und deshalb müssen wir Feuerwehr immer ein Stück größer denken als nur bis zur eigenen Stadt- oder Löschbezirksgrenze. Wer bei solchen Veränderungen allerdings zuerst ans Sparen denkt, liegt grundlegend falsch.
Gerade in Nunkirchen kann man sehen, was wir unter Zukunftssicherung verstehen. Am 7. September fand dort – Ministerbesuch inklusive - die symbolische Grundsteinlegung für das neue Feuerwehrgerätehaus statt. Symbolisch passt ziemlich gut, denn der Bau wächst inzwischen schon deutlich in die Höhe. Wenn der Bau planmäßig verläuft, soll das neue Feuerwehrgerätehaus bis Ende 2027 bezugsfertig sein. Rund 3,6 Millionen Euro investieren wir dort in einen modernen Standort für unseren Löschbezirk Nunkirchen. Das ist kein Einzelprojekt.
In Wadrill haben wir bereits in den vergangenen Jahren erheblich investiert. Im Löstertal sind die Planungen für ein neues Feuerwehrgerätehaus inzwischen schon sehr weit fortgeschritten. Für Morscholz-Steinberg soll ebenfalls ein gemeinsames neues Gerätehaus entstehen. Und auch in Bardenbach haben die Überlegungen und Planungen begonnen. Hinzu kommen Fahrzeuge, Atemschutz, Funk- und Kommunikationstechnik, Spezialausrüstung, Notstromversorgung und vieles mehr.
Feuerwehr größer und anders denken
Wir sparen unsere Feuerwehr also nicht klein. Ganz im Gegenteil! Wir investieren erheblich. Aber wir verbinden diese Investitionen mit der Frage, welche Strukturen wir brauchen, damit Gebäude, Fahrzeuge, Technik und vor allem Menschen am Ende auch sinnvoll zusammenspielen. Nicht jeder Standort muss alles machen. Spezialisierung kann sinnvoll sein. Zusammenarbeit kann sinnvoll sein. Und trotzdem bleibt die Feuerwehr vor Ort fest in unseren Dörfern verwurzelt. Das widerspricht sich nicht.
Ich halte es für eine große Stärke unserer Feuerwehr, dass diese Diskussion geführt wird, bevor uns Personalmangel oder andere Entwicklungen irgendwann dazu zwingen. Unsere Wehrführung unter Führung von Maik Grundhöfer spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Sie ist nicht nur außerordentlich engagiert, sondern hat auch den Mut, über den eigenen Kirchturm hinauszublicken. Sie denkt nicht nur an das nächste Fahrzeug oder das nächste Gerätehaus, sondern daran, wie unsere Feuerwehr in zehn oder zwanzig Jahren aussehen muss. Das ist nicht immer bequem. Aber es ist das Gebot der Stunde, wenn wir auch in Zukunft bestehen wollen.
Die Zusammenlegung von Morscholz und Steinberg ist deshalb kein Endpunkt. Sie ist ein erster Schritt. Aber sie ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Beteiligten die Zeichen der Zeit verstanden haben. Und sie ziehen an einem Strang – und, um das Bild noch etwas weiterzutreiben, auch am selben Ende. Dafür bin ich als Bürgermeister sehr dankbar. Denn Gebäude können wir bauen. Fahrzeuge und Technik können wir kaufen. Strukturen können wir verändern. Eines können wir aber weder bestellen noch per Stadtratsbeschluss herstellen: Menschen, die bereit sind, ihre Freizeit, ihr Können und manchmal auch ihre eigene Gesundheit einzusetzen, um anderen zu helfen.



