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Vorsorgen, bevor das Wasser kommt

Wir treiben unsere Starkregen- und Hochwasservorsorge konsequent weiter voran. Und setzen dabei auch auf Ihre Mithilfe.

Reden wir über … schlechtes Wetter. Richtig schlechtes Wetter sogar. Über Regen also. Allerdings nicht über jene Sorte, bei der man sich ärgert, weil der Grillabend ins Wasser fällt oder die geplante Radtour ausfallen muss. Sondern über Regen, der innerhalb weniger Minuten Straßen in Flüsse verwandelt, Keller volllaufen lässt und Menschen vor die Frage stellt, wie sie ihr Hab und Gut noch retten können.

Wer am 11. Juni 2018 in Wadern dabei war, weiß ziemlich genau, wovon ich rede. Innerhalb kürzester Zeit wurde damals der Bereich rund um unseren Marktplatz zu einem reißenden Fluss. Das Wasser schoss durch die Unterstraße und die Franz-Haas-Straße, vor der Herbert-Klein-Halle entstand ein riesiger See, Keller liefen voll, unser Freibad wurde überflutet. Und Wadern war keineswegs der einzige betroffene Stadtteil. Auch in Morscholz, im Löstertal und in Bardenbach richteten die Wassermassen erhebliche Schäden an. Ein Tag, der sich bei vielen Menschen eingebrannt hat.

Und leider kein Ereignis, das wir einfach unter „damals“ abheften können. Starkregen und Hochwasser haben uns seitdem immer wieder beschäftigt. Im September 2024 beispielsweise musste unsere Feuerwehr nach starkem Dauerregen stadtweit zu rund 30 Einsätzen ausrücken. Besonders betroffen waren damals das Löstertal und Lockweiler. Ein Hang rutschte ab, Straßen wurden überflutet, in einem Wohnhaus stand das Wasser bis zu eineinhalb Meter hoch im Keller.

Aus Erfahrung klüger

Nun wäre es falsch, den Eindruck zu erwecken, wir hätten in Sachen Starkregenvorsorge bislang nur zugeschaut. Ganz im Gegenteil! Schon vor dem großen Unwetter von 2018 hatten wir begonnen, Oberflächen- und Abwasserströme an problematischen Stellen zu entflechten. In Nunkirchen beispielsweise wurden dafür erhebliche Investitionen getätigt. Ab 2017 war die Stadt Wadern außerdem Teil eines vom Umweltministerium geförderten Modellprojektes zur Starkregenvorsorge. Gemeinsam mit Fachleuten haben wir analysiert, welchen Weg das Wasser bei außergewöhnlichen Regenereignissen nimmt und wo im Stadtgebiet besondere Gefahren bestehen.

Das Ergebnis war unsere Starkregengefahrenkarte, die wir 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Sie ermöglicht bis heute einen ziemlich detaillierten Blick darauf, was passieren kann, wenn in sehr kurzer Zeit sehr große Wassermengen vom Himmel kommen. Damit hatten wir erstmals ein Instrument in der Hand, mit dem Gefährdungen nicht nur aus der Erfahrung vergangener Ereignisse beurteilt, sondern modelliert werden konnten. Seither wurden und werden an verschiedenen Stellen konkrete Maßnahmen umgesetzt oder vorbereitet. Dazu gehören größere technische Lösungen ebenso wie viele kleinere Maßnahmen an Gräben, Durchlässen und Entwässerungssystemen. Mit der „Aktion Wasserzeichen“ haben wir außerdem privaten Grundstückseigentümern Möglichkeiten eröffnet, Entsiegelung, Versickerung oder die Rückhaltung von Regenwasser fördern zu lassen.

Ein aktuelles Beispiel ist Gehweiler. Auch dort arbeiten wir an einer größeren Lösung, um Oberflächenwasser gezielter abzuleiten und damit die Situation bei Starkregen deutlich zu verbessern. Trotzdem wissen wir: Das bisher Erreichte reicht nicht aus. Deshalb gehen wir jetzt den nächsten Schritt.

Viele Maßnahmen, ein Ziel

Die Stadt Wadern lässt ein umfassendes Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept für das gesamte Stadtgebiet erstellen. Das Umweltministerium unterstützt uns dabei mit 135.155,25 Euro und übernimmt damit 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Das klingt zunächst wieder einmal nach einem ziemlich sperrigen Verwaltungsbegriff. Dahinter steckt aber etwas sehr Praktisches.

Wir wollen für alle Stadtteile genau untersuchen, wo bei Starkregen oder bei Hochwasser aus unseren Bächen und Flüssen Gefahren entstehen, welche Bereiche besonders betroffen sein können und – vor allem – welche Maßnahmen sinnvoll und tatsächlich umsetzbar sind.

Dabei beginnen wir ausdrücklich nicht wieder bei null. Unsere vorhandenen Starkregengefahrenkarten, unsere Erfahrungen aus den vergangenen Jahren, bereits umgesetzte Maßnahmen und natürlich das Wissen unserer Feuerwehr, unseres Abwasserwerks, des Bauhofs und der Verwaltung bilden die Grundlage. Mit der Erarbeitung haben wir das auf Hochwasser- und Starkregenvorsorge spezialisierte Planungsbüro Hömme aus Pölich an der Mosel beauftragt.

Ein erstes internes Startgespräch hat inzwischen stattgefunden. Jetzt werden zunächst die vorhandenen Daten und Karten ausgewertet. Danach folgen Ortsbegehungen in sämtlichen Stadtteilen. Gemeinsam mit den Fachleuten sollen dabei bekannte Problemstellen, Wasserwege und neuralgische Punkte ganz konkret vor Ort betrachtet werden. Denn bei einem solchen Konzept gibt es etwas, das keine Computersimulation und keine Karte ersetzen kann: die Erfahrung der Menschen, die vor Ort leben.

Wer schon einmal erlebt hat, wie das Wasser über sein Grundstück lief, aus welcher Richtung es kam, welcher Graben überlief oder welcher Durchlass plötzlich nicht mehr funktionierte, verfügt über Wissen, das für die Planung ausgesprochen wertvoll ist. Deshalb wird nach den internen Ortsbegehungen eine breite Bürgerbeteiligung beginnen. Nach einer zentralen Auftaktveranstaltung werden in den einzelnen Bereichen Bürgerforen stattfinden.

Ihre Expertise ist gefragt!

Dort wollen wir nicht nur zeigen, was unsere Karten und Berechnungen ergeben haben. Wir wollen mit Ihnen diskutieren. Wo gab es in der Vergangenheit Probleme? Wo sehen Sie Gefahren? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Welche Lösung könnte funktionieren? Und natürlich wird es dabei auch um die Frage gehen, was jeder Einzelne auf seinem eigenen Grundstück tun kann. Denn Starkregen- und Hochwasservorsorge ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Stadt kann vieles tun – aber sie kann nicht jedes Gebäude vor jedem denkbaren Ereignis schützen.

Sie müssen übrigens nicht auf die Bürgerforen warten. Das gesamte Projekt wird auf einer eigenen Internetseite begleitet: 
wadern.starkregenkonzept.de
Dort können Sie bereits jetzt Hinweise auf Gefahrenstellen geben, eigene Erfahrungen schildern und Fotos oder Videos vergangener Starkregen- und Hochwasserereignisse hochladen. Auch Ideen und Vorschläge können Sie dort einbringen. Zusätzlich erreichen Sie das Projekt per Mail unter unter info@wadern.starkregenkonzept.de. gerade alte Fotos und Videos können für die Fachleute ausgesprochen hilfreich sein. Sie zeigen häufig sehr viel genauer als jede Erinnerung, welchen Weg das Wasser tatsächlich genommen hat.

Absolute Sicherheit wird es nicht geben

Eines gehört für mich allerdings auch zur Wahrheit. Wir werden Starkregen nicht verhindern. Und wir werden unsere Stadt auch nicht so umbauen können, dass ein extremes Wetterereignis nirgendwo mehr Schäden verursacht. Schon nach dem Unwetter 2018 habe ich sinngemäß geschrieben: Kein Kanal der Welt hätte diese Wassermassen aufnehmen können. Daran hat sich nichts geändert. Aber zwischen „Wir können nicht alles verhindern“ und „Wir können nichts tun“ liegt ein gewaltiger Unterschied.

Wir können Gefahren erkennen. Wir können Wasser anders führen. Wir können Rückhalteräume schaffen. Wir können Engstellen beseitigen. Wir können Gebäude besser schützen. Wir können unsere Einsatzkräfte vorbereiten. Und wir können dafür sorgen, dass jeder weiß, wo sein persönliches Risiko liegt. Genau darum geht es bei unserem neuen Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept. Wir haben in den vergangenen Jahren einiges gelernt und einiges getan. Jetzt gehen wir die nächste Stufe an. Und diesmal nehmen wir die gesamte Stadt in den Blick. Und halten Sie über unsere Medienkanäle auf dem Laufenden. 
 


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