Reden wir über … den Stand der Dinge beim Glasfaserausbau. Zuletzt habe ich Sie in den Ausgaben des Amtsblatts vom 30. Januar und 1. Mai dieses Jahres ausführlich über die Situation in den einzelnen Stadtteilen und die voraussichtlichen Fertigstellungstermine informiert. Inzwischen ist ein weiteres halbes Jahr vergangen. Zeit also für eine neue Bestandsaufnahme. Denn es hat sich einiges getan. Vieles ist erfreulich, manches weniger. Vor allem für diejenigen, die noch immer auf ihren Anschluss warten.
Bevor wir zu den aktuellen Zahlen kommen, lohnt sich ein Blick zurück. Ins Jahr 2021, als wir entscheiden mussten, mit welchem Unternehmen der Glasfaserausbau in der Stadt Wadern realisiert werden sollte. Deutsche Telekom und Vodafone winkten damals ab. Die verbliebenen Konzepte haben wir anhand von rund 70 Kriterien genau geprüft. Am 16. September 2021 entschied sich der Stadtrat einstimmig für unseren regionalen Energieversorger energis. Im Februar 2022 wurde der Kooperationsvertrag unterzeichnet.
Dass wir damit nicht unbedingt den schnellsten Weg gewählt hatten, war uns bewusst. Und wurde uns durchaus vorgehalten. Auch aus Saarbrücken kamen kritische Anmerkungen, weil der Ausbau andernorts vermeintlich schneller voranging. Uns ging es allerdings nicht nur um Geschwindigkeit. Wir wollten vor allem verhindern, dass unsere Straßen und Gehwege wahllos aufgerissen und anschließend womöglich nur unzureichend wiederhergestellt werden. Schließlich ist unsere bestehende Infrastruktur ebenfalls ein Vermögenswert, mit dem wir sorgsam umgehen müssen. Deshalb entschieden wir uns für eine schrittweise, abgestimmte Erschließung. Keine Hauruckaktion, sondern ein Projekt mit langfristiger Perspektive. Darüber habe ich bereits 2022 und 2024 an dieser Stelle geschrieben.
Projektstopp in weiten Teilen des Saarlandes
Nun soll man sich bekanntlich nicht selbst auf die Schulter klopfen. Aber ein Blick über die Stadtgrenzen hinaus ist durchaus aufschlussreich. Ende September hat die Deutsche Glasfaser angekündigt, geplante Ausbauprojekte in acht saarländischen Kommunen nicht wie vorgesehen umzusetzen. Andernorts gibt es erhebliche Verzögerungen und Probleme bei der Bauausführung. In Merchweiler wurden wegen mangelhafter Arbeiten sogar Aufbruchgenehmigungen entzogen. In Tholey musste die Gemeinde selbst Maßnahmen zur Sicherung von Baustellen veranlassen. Wer bei Google die Begriffe „Deutsche Glasfaser“, „Saarland“ und „Probleme“ eingibt, dürfte für eine längere Lektüre versorgt sein. Einige Beispiele finden Sie auf der nebenstehenden Seite.
Schadenfreude wäre hier völlig fehl am Platz. Die Deutsche Glasfaser hat schließlich auch zahlreiche Anschlüsse erfolgreich hergestellt. Und für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger ist die Entwicklung alles andere als erfreulich. Sie zeigt aber, dass beim Glasfaserausbau nicht allein große Versprechungen und ehrgeizige Zeitpläne zählen. Entscheidend ist, dass am Ende nicht nur die Glasfaserleitung funktioniert, sondern auch Straßen und Gehwege wieder in einem ordentlichen Zustand sind.
Dass der Ausbau in der Stadt Wadern keine Kleinigkeit ist, dürfte inzwischen jedem klar sein. Wir reden über rund 111 Quadratkilometer Fläche, zahlreiche Dörfer und teilweise weit auseinanderliegende Gebäude. Hinzu kommen Investitionen von mittlerweile mehr als 20 Millionen Euro, die zum weit überwiegenden Teil von energis eigenwirtschaftlich getragen werden.
Einmal aufgraben, doppelt profitieren
Eine Besonderheit des Konzepts in der Stadt Wadern besteht darin, den Glasfaserausbau dort, wo es sinnvoll ist, mit der Modernisierung des Stromnetzes zu verbinden. Stromleitungen werden erneuert, Freileitungen teilweise unter die Erde verlegt und gleichzeitig Glasfaserkabel eingebaut. Einmal aufgraben, mehrere Maßnahmen erledigen. Das schont unsere Straßen und Gehwege und vermeidet erneute Baustellen. Natürlich müssen auch bei uns Straßen geöffnet werden. Entscheidend ist, dass die Eingriffe möglichst gering bleiben und die Oberflächen anschließend fachgerecht wiederhergestellt werden. Das macht die Planung aufwendiger und kostet Zeit. Hinzu kommen gestiegene Baukosten, Engpässe bei Tiefbauunternehmen und notwendige Wechsel von Baupartnern.
So viel zu den Gründen, warum manches länger dauert als ursprünglich vorgesehen. Aber wie weit sind wir inzwischen tatsächlich gekommen? Genau darüber haben wir Ende Oktober mit den Verantwortlichen von energis gesprochen. Die Bilanz: Zum 28. Oktober 2026 waren bereits 3.261 Glasfaseranschlüsse aktiviert. Mehr als 4.500 Verträge sind inzwischen abgeschlossen. Bei gut 8.000 grundsätzlich erschließbaren Haushalten beziehungsweise Wohneinheiten entspricht das einer sehr hohen Vertragsquote von rund 55 Prozent. Allerdings bedeutet ein unterschriebener Vertrag natürlich noch nicht, dass der Anschluss funktioniert. Genau hier stehen in einigen Stadtteilen nämlich noch Arbeiten aus.
In Bardenbach, Büschfeld, Buweiler, Dagstuhl, Gehweiler, Morscholz, Steinberg, Oberlöstern, Rathen, Reidelbach und Wedern sind die regulären Ausbauarbeiten im Wesentlichen abgeschlossen. Auch in Krettnich ist der eigentliche Netzausbau erledigt, wenngleich noch zahlreiche Hausanschlüsse aktiviert werden müssen. In Lockweiler und im Kernort Wadern stehen überwiegend Restarbeiten und einzelne Hausanschlüsse aus. Diese sollen im zweiten Quartal 2027 abgeschlossen sein. In Noswendel wird noch gebaut. Hier ist die Fertigstellung für das dritte Quartal 2027 vorgesehen. In Überlosheim ist der Ausbau ebenfalls nahezu abgeschlossen. Bei insgesamt 85 Haushalten wurden 45 Glasfaserverträge abgeschlossen. Lediglich drei Anschlüsse müssen noch aktiviert werden.
In Nunkirchen sind 441 Anschlüsse bereits aktiviert, 227 stehen noch aus. Teilweise wurden Hausanschlüsse hergestellt, die aus technischen Gründen noch nicht genutzt werden können. energis hat ein eigenes Team eingesetzt, das die offenen Fälle systematisch abarbeitet. Nach erneuter Rücksprache mit der Ausführungsplanung wird nun das vierte Quartal 2027 als Fertigstellungstermin anvisiert.
In Wadrill ist der Ausbau besonders aufwendig, weil gleichzeitig das Stromnetz umfassend modernisiert wird. Aufgrund der großen Nachfrage werden zudem zusätzliche Straßenzüge erschlossen. Im westlichen Bereich sollen die Arbeiten Anfang 2027 weitgehend abgeschlossen sein, während sie im östlichen Bereich im Laufe des Jahres fortgesetzt werden. Für Wadrill insgesamt wird inzwischen das vierte Quartal 2027 als Fertigstellungstermin anvisiert.
In Nuhweiler soll der Glasfaserausbau nach aktueller Planung im zweiten Quartal 2027 beginnen. Auch in Altland, Vogelsbüsch und Niederlöstern stehen die wesentlichen Ausbauarbeiten noch bevor. Sie sollen bis Ende des ersten Quartals 2028 abgeschlossen sein.
Damit bleibt das Ziel, den eigenwirtschaftlichen Ausbau in der Stadt Wadern im Wesentlichen bis Ende 2027/Anfang 2028 fertigzustellen. Einzelne Nachanschlüsse und Restarbeiten können darüber hinaus erforderlich werden.
Gute Kunde für Nachzügler:
Da geht noch was! Soweit der aktuelle Stand. Die Stadt Wadern ist zwar nicht selbst Bauherr des eigenwirtschaftlichen Netzes, wir begleiten den Ausbau aber eng, stimmen Genehmigungen ab und helfen, Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Die Verantwortlichen von energis kennen wir persönlich. Probleme können unmittelbar angesprochen und gemeinsam gelöst werden. Auch das ist ein Vorteil unserer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit.
Eine Zahl freut mich besonders: 15. So viele Objekte sind in der gesamten Stadt Wadern übrig geblieben, die nicht eigenwirtschaftlich erschlossen werden können. Bei einer Fläche von 111 Quadratkilometern ist das bemerkenswert und dürfte auch im Saarland eine Ausnahme sein. Für diese letzten, meist besonders abgelegenen Gebäude haben wir Fördermittel von Bund und Land beantragt und eine europaweite Ausschreibung durchgeführt. Der Stadtrat hat inzwischen die entsprechende Vergabeentscheidung getroffen. Das Verfahren steht damit kurz vor dem Abschluss.
Man muss sich das vor Augen führen: Ein Glasfasernetz für grundsätzlich mehr als 8.000 Haushalte, Investitionen von über 20 Millionen Euro und lediglich 15 besonders schwierige Anschlüsse, für die öffentliche Fördermittel benötigt werden. Das zeigt, wie sinnvoll es war, auf einen möglichst umfassenden eigenwirtschaftlichen Ausbau zu setzen. Denn auch Fördermittel sind letztlich Steuergelder.
Und wer noch keinen Vertrag hat? Die gute Nachricht: Auch nach Abschluss der Bauarbeiten werden zusätzliche Anschlüsse grundsätzlich möglich sein. Allerdings können dann Kosten entstehen. Wer bereits einen Vertrag abgeschlossen hat, muss nichts unternehmen. Die bestehenden Verträge bleiben gültig. Bei Fragen hilft energis unter 0681 9069 8824 oder im Kundencenter am Marktplatz in Wadern weiter.
Auf der Zielgeraden
Wir haben in den vergangenen Jahren viel erreicht. 3.261 aktivierte Anschlüsse sind schließlich keine Kleinigkeit. Gleichzeitig liegt noch einiges vor uns. Besonders dort, wo Menschen schon lange auf ihren Anschluss warten.
Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir 2021 die richtige Entscheidung getroffen haben. Nicht weil bei uns alles perfekt läuft. Das tut es bekanntlich nicht. Wir wollten aber schon 2021 keine möglichst schnelle Erfolgsmeldung, sondern ein leistungsfähiges Netz für die kommenden Jahrzehnte. Daran hat sich nichts geändert. Schnell versprechen lässt sich bekanntlich vieles. Ein
Glasfasernetz bauen ist etwas anderes. Und zwar bis ins Haus.



