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Klinikprojekt: Auf dem Weg zum Versorgungsmodell

Der „Letter of Intent“ für das künftige Versorgungsangebot im Nordsaarland ist unterzeichnet. Was heißt das? Wie geht’s nun weiter?

Reden wir über… eine wichtige Absichtserklärung. Es gibt Momente, in denen man bei einem Thema, das einen über viele Jahre begleitet hat, durchaus feststellen darf: Wir sind einen wichtigen Schritt weiter. Die Unterzeichnung des „Letter of Intent“ für ein künftiges Versorgungsangebot im Nordsaarland ist für mich ein solcher Moment. Ziemlich genau neun Jahre nach der Schließung der St. Elisabeth-Klinik in Wadern sind wir damit einer wirklichen Neuausrichtung der medizinischen Versorgung in unserer Stadt, im Hochwald und darüber hinaus im gesamten nördlichen Saarland ein gutes Stück näher gekommen.

Ein Meilenstein? Klar. Aber kein Schlusspunkt!

Als die Klinik in Wadern geschlossen wurde, ging es zunächst sehr stark um die Frage, wie das verloren gegangene Krankenhausangebot ersetzt werden könnte. Vereinfacht gesagt: Ein Krankenhaus war weg – also musste etwas Vergleichbares wieder her.

Heute wissen wir, dass diese Betrachtung zu kurz greifen würde. Das Gesundheitswesen befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Krankenhausreform, die stärkere Verlagerung von Leistungen in den ambulanten Bereich, Fachkräfte- und Ärztemangel, eine älter werdende Bevölkerung, veränderte Vorstellungen junger Ärztinnen und Ärzte von ihrer beruflichen Tätigkeit sowie neue digitale und telemedizinische Möglichkeiten verändern die Versorgung grundlegend.

Deshalb kann die Antwort im Jahr 2026 nicht darin bestehen, eine Struktur aus der Vergangenheit eins zu eins wiederherzustellen. Wir brauchen eine Lösung, die zu den Anforderungen der kommenden Jahre passt. Genau hier setzt das nun vorgestellte Modellprojekt an. Es beschreibt die Herausforderungen sehr klar: Veränderungen der stationären Angebote, Defizite in der ambulanten Versorgung, unbesetzte Hausarztsitze und eine geringe Zahl fachärztlicher Sitze. Gleichzeitig ist absehbar, dass sich diese Situation durch den demografischen Wandel und weitere altersbedingte Praxisaufgaben noch verschärfen kann.

Was soll in Wadern eigentlich genau entstehen?

Das Ziel lässt sich recht einfach erklären: In Wadern soll eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung, kurz SÜV, entstehen. Hinter diesem etwas sperrigen Begriff steckt ein moderner Ansatz: Ambulante und stationäre Medizin sollen nicht länger weitgehend getrennt voneinander gedacht werden. Stattdessen sollen unterschiedliche medizinische Angebote sinnvoll miteinander verbunden werden.

Eine solche sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung ist eine neue Versorgungsform, die erst durch die Krankenhausreform möglich wurde. Auch die grundlegenden Rahmenbedingungen für ihre Finanzierung sind auf Bundesebene erst seit kurzem konkretisiert. Damit gibt es jetzt überhaupt erst die Voraussetzungen, ein solches Modell praktisch auf den Weg zu bringen.

Vorgesehen ist eine Einrichtung in Wadern als Dependance der Knappschaft Kliniken Saar. Sie soll insbesondere ambulante Versorgung anbieten, ergänzt um pflegerische und niedrigschwellige stationäre Leistungen. Ziel ist eine möglichst durchgängige Versorgungskette für die Menschen vor Ort.

Dazu können beispielsweise ambulante Behandlungen und Operationen, telemedizinische Leistungen, vertragsärztliche Angebote sowie Kurzzeit- und Übergangspflege gehören. Im stationären Bereich sind nach derzeitigem Stand Angebote der Inneren Medizin und der Geriatrie vorgesehen. Hinzukommen soll ein sogenanntes POCT-Labor – vereinfacht gesagt eine Möglichkeit zur schnellen, patientennahen Labordiagnostik direkt vor Ort. Auch ein psychiatrisches Angebot soll bei entsprechendem Bedarf in die weitere Planung einbezogen werden.

Für mich ist dabei ein Punkt entscheidend: Wir reden nicht über ein Krankenhaus alten Zuschnitts. Wir reden über ein modernes Gesundheitsangebot, das sich daran orientiert, was die Menschen brauchen und was unter den veränderten Bedingungen langfristig funktionieren kann. Und natürlich muss eine solche Struktur auch flexibel genug sein, um später weiterentwickelt und angepasst werden zu können.

Dass wir heute an diesem Punkt stehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Dahinter liegt eine lange und teilweise schwierige Entwicklung. Mein ausdrücklicher Dank gilt Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung. Er hat an diesem Projekt festgehalten und deutlich gemacht, dass die Landesregierung die medizinische Versorgung im nördlichen Saarland neu und zukunftsorientiert aufstellen will.

Ebenso danke ich der Knappschaft Kliniken Saar GmbH und ganz persönlich Geschäftsführer Stephan Kolling. Die Knappschaft soll künftig Träger der Einrichtung werden und hat sich in den vergangenen Monaten intensiv in die Entwicklung des Modells eingebracht. Wichtig war für mich auch, dass Land und Knappschaft nach den Schwierigkeiten der vergangenen Monate nicht gesagt haben: Dann war es das eben. Wir hatten immer dafür geworben, an der Sache festzuhalten, auch nachdem die Kassenärztliche Vereinigung Saarland den zunächst geplanten gemeinsamen „Letter of Intent“ nicht mittragen wollte. Dieser Weg war richtig.

Ebenso ausdrücklich möchte ich das Engagement der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik hervorheben. Sie hat über Jahre hinweg das Thema auf der politischen Tagesordnung gehalten, nachgehakt, Gespräche eingefordert und sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengegeben. Ohne diese Beharrlichkeit wäre die Frage der medizinischen Zukunft unserer Region wahrscheinlich nicht über all die Jahre mit dieser Intensität verfolgt worden. Diese Hartnäckigkeit hat sich bewährt – und wir werden sie auch weiterhin brauchen.

Von der Theorie in die Praxis

Bei aller Freude über das Erreichte ist eine Einordnung wichtig: Wir reden aktuell über eine Absichtserklärung. Sie ist noch kein Bauvertrag und auch keine Garantie dafür, dass morgen mit der Umsetzung begonnen wird. Weitere Schritte stehen unter entsprechenden Gremien- und Genehmigungsvorbehalten.

Trotzdem ist diese Absichtserklärung von großer Bedeutung. Denn Landesregierung, Knappschaft Kliniken Saar und Stadt Wadern halten darin erstmals gemeinsam fest, wohin sie wollen. Die nächsten Schritte sollen nun zügig konkretisiert und die notwendigen Abstimmungen in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe fortgesetzt werden. Dabei geht es jetzt ganz konkret um ein geeignetes Grundstück, die Vorbereitung der baulichen und planerischen Voraussetzungen, die weitere Ausarbeitung des medizinischen Konzepts sowie um Finanzierungs- und Detailfragen mit den Kostenträgern und Krankenkassen. Ebenso wichtig wird es sein, geeignete Partner für den ambulanten Bereich zu gewinnen.

Die Stadt Wadern wird dabei das tun, was sie leisten kann. Wir werden gemeinsam mit dem künftigen Träger die Suche beziehungsweise Sicherung eines geeigneten Grundstücks vorantreiben und bei Grunderwerb und Erschließung, Bauleitplanung und der weiteren Bauplanung unseren Beitrag leisten. Das Land wiederum sagt im Rahmen der förderrechtlichen Möglichkeiten eine hohe Investitionsförderung zu und wird den Standort nach eigenem Bekunden auch im nächsten Krankenhausplan berücksichtigen.

Für mich und ebenso für die Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik ist klar: Die drei Unterzeichner werden alles daransetzen, ein solches Modell auf eine breite Basis zu stellen. Es gilt, weitere Akteure konstruktiv und möglichst frühzeitig in die Entwicklung einzubeziehen. Dazu zählen insbesondere die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Saarland, aber ebenso die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie ihre Verbände. Hinzukommen können weitere Partner aus Medizin, Pflege, Gesundheitswirtschaft, Politik und Selbstverwaltung.

Weitere Partner müssen an Bord

Bestehende regionale Versorgungsangebote sollen ausdrücklich mitgedacht werden. Auch die niedergelassenen Vertragsärztinnen und Vertragsärzte sollen die Möglichkeit erhalten, sich in das medizinische Konzept einzubringen. Es soll also nicht etwas neben bestehenden Strukturen entstehen, sondern gemeinsam mit ihnen eine Versorgung aufgebaut werden, die Lücken schließt und die Region insgesamt stärkt.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Gespräche mit den Krankenkassen und weiteren Kostenträgern jetzt intensiviert werden. Sie werden für eine dauerhaft tragfähige Finanzierung des Modells eine entscheidende Rolle spielen. Ebenso brauchen wir Ärztinnen und Ärzte sowie weitere medizinische Partner, die bereit sind, sich in die neue Struktur einzubringen. Dabei möchte ich ausdrücklich auch die Kassenärztliche Vereinigung einbeziehen. Die unterschiedlichen

Auffassungen der vergangenen Monate sind bekannt. Jetzt geht es aber nicht darum, diese Diskussion immer wieder von vorne zu führen. Es geht darum, nach vorne zu schauen und gemeinsam zu prüfen, welchen Beitrag jeder einzelne Akteur leisten kann. Wir haben einen wichtigen Meilenstein erreicht. Aber der Weg ist noch nicht zu Ende. Vielleicht passt das Bild der Eisenbahn tatsächlich ganz gut: Der Zug ist jetzt auf die Schiene gesetzt. Die Richtung ist klar. Jetzt müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass er Fahrt aufnimmt und sein Ziel erreicht.

Nach neun Jahren sollte uns allerdings eines bewusst sein: Wir suchen heute nicht mehr nach einem Ersatz für das, was einmal war. Wir arbeiten an etwas Neuem – an einer medizinischen Versorgungsstruktur, die den Bedingungen unserer Zeit Rechnung trägt und den Menschen im nördlichen Saarland langfristig mehr Sicherheit geben soll. 

Hier klicken zur ausführlichen Präsentation zum angedachten sektorenübergreifenden Versorgungsangebot der Knappschaft Kliniken Saar.
 


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