Reden wir erneut über die Gesundheitsversorgung. Mehr noch. Wir müssen erneut über dieses Thema reden, weil es jedem von uns unter den Nägeln brennt: Die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland, den ausgehandelten Letter of Intent nicht zu unterzeichnen, ist ohne Zweifel eine große Enttäuschung. Sie bedeutet aber keineswegs das Ende der Bemühungen um eine bessere medizinische Versorgung im Hochwald.
Im Gegenteil: Das saarländische Gesundheitsministerium hat bereits deutlich gemacht, dass es an dem Ziel einer zukunftsfähigen medizinischen Versorgung für unsere Region festhält. Dasselbe gilt für die Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik und selbstverständlich auch für die Stadt Wadern. Unser gemeinsames Ziel bleibt unverändert: eine wohnortnahe, moderne und langfristig tragfähige medizinische Versorgung für die Menschen im nördlichen Saarland.
Ursachenforschung im Detail
Gerade deshalb halten wir es jetzt für wichtig, zunächst vollständig zu verstehen, warum das Modellprojekt an dieser Stelle ins Stocken geraten ist. Wer tragfähige Lösungen entwickeln will, muss zunächst die Gründe kennen, weshalb ein Lösungsansatz nicht weiterverfolgt werden konnte. Aus diesem Grund haben wir in Abstimmung mit der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik einen umfangreichen Fragenkatalog an die Kassenärztliche Vereinigung Saarland erarbeitet.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Schuldige zu suchen oder jemanden öffentlich an den Pranger zu stellen. Es geht vielmehr darum, Transparenz zu schaffen. Die Menschen im Hochwald haben ein berechtigtes Interesse daran zu erfahren, warum ein Projekt, das gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium, der Knappschaft, den Krankenkassen, den Kommunen und vielen weiteren Beteiligten entwickelt wurde, letztlich nicht die Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung gefunden hat – und wie es gelingen kann, den Weg zu einer Realisierung des Modellprojekts wieder zu öffnen. Unser Ziel bleibt dabei unverändert: die bestmögliche medizinische Versorgung für die Menschen im Hochwald.
Da das vollständige Transparenzpapier den Umfang einer Bürgermeisterinformation deutlich sprengen würde, haben wir bewusst darauf verzichtet, ihn vollständig in diesem Mitteilungsblatt abzudrucken. Stattdessen können Sie das Dokument hier auf unserer Internetseite in Ruhe herunterladen (LINK DRAUFLEGEN). Klicken Sie dazu einfach auf das Vorschaubild in diesem Artikel und nehmen Sie sich ein wenig Zeit für eine ebenso spannende wie herausfordernde Lektüre.
Im Kern möchten wir unter anderem wissen,
• welche konkreten Verpflichtungen die Kassenärztliche Vereinigung durch den Letter of Intent überhaupt hätte übernehmen müssen,
• welche finanziellen Auswirkungen eine Unterzeichnung tatsächlich gehabt hätte und auf welchen Berechnungen diese Einschätzung beruht,
• welche organisatorischen Bedenken bestanden und ob hierfür alternative Lösungen geprüft wurden,
• welche Zukunftsstrategie die Kassenärztliche Vereinigung für die hausärztliche und fachärztliche Versorgung im Hochwald verfolgt,
• welche Bedeutung dem gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten entwickelten Positionspapier des „Runden Tisches mit unseren Medizinern“ beigemessen wurde,
• wie die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung zu ihrer Entscheidung gelangt ist, wie sie zusammengesetzt ist und in welchem Umfang unsere Region dort vertreten war,
• und vor allem, wie die medizinische Versorgung im Hochwald in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren konkret gesichert werden soll. Und welche Idee die KVS hierfür hat.
Gerade diese letzte Frage ist aus meiner Sicht von entscheidender Bedeutung. Denn unabhängig von der Bewertung des Modellprojektes bleibt die eigentliche Herausforderung bestehen: Viele Hausärztinnen und Hausärzte stehen kurz vor dem Ruhestand, freie Arztsitze können nur schwer nachbesetzt werden und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger berichten bereits heute von langen Wartezeiten oder Schwierigkeiten, überhaupt noch einen Arzttermin zu erhalten. Diese Entwicklung können und wollen wir nicht einfach hinnehmen.
Gemeinsam den nächsten Schritt gehen
Die Stadt Wadern ist zwar nicht Träger der medizinischen Versorgung. Dennoch sehe ich es als unsere Pflicht an, auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, unterschiedliche Akteure an einen Tisch zu bringen und konstruktive Lösungen einzufordern. Dasselbe gilt für die Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik, die sich seit mittlerweile neun Jahren mit großem ehrenamtlichem Engagement für dieses Ziel einsetzt.
Manchmal können gerade diejenigen, die keine unmittelbare Zuständigkeit besitzen, Entwicklungen anstoßen, weil sie die Sorgen der Menschen unmittelbar erleben und unterschiedliche Interessen zusammenführen. Genau das verstehen wir als unsere Aufgabe. Uns ist dabei wichtig, die Diskussion auf eine möglichst breite fachliche Grundlage zu stellen. Deshalb haben wir das Transparenzpapier nicht nur der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland übersandt, sondern werden ihn auch dem Saarländischen Hausärztinnen- und Hausärzteverband sowie den Ärztinnen und Ärzten in unserer Region mit der Bitte um eine fachliche Stellungnahme zukommen lassen. Unser Ziel ist es ausdrücklich, möglichst viele Akteure in den weiteren Prozess einzubinden. Denn nur wenn unterschiedliche Sichtweisen zusammengeführt werden, können tragfähige Lösungen entstehen.
Das Transparenzpapier ist umfangreich. Das hat einen einfachen Grund: Die medizinische Versorgung ist ein hochkomplexes Thema. Viele Akteure tragen Verantwortung, viele Entscheidungen greifen ineinander. Wer die Zukunft gestalten will, muss die Zusammenhänge kennen. Nur wenn wir die Gründe für die aktuelle Entscheidung vollständig verstehen, können wir gemeinsam die nächsten Schritte entwickeln. Auch deshalb erhalten viele der weiteren handelnden Akteure eine Kopie unseres Schreibens an die KVS, ebenso die Presse.
Rückschlag aber kein Schlusspunkt
Für mich steht: Die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung ist ein Rückschlag – aber sie ist kein Schlusspunkt. Unser Ziel bleibt unverändert: Gemeinsam mit der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik, dem saarländischen Gesundheitsministerium und allen weiteren willigen Beteiligten werden wir uns weiterhin mit Nachdruck für eine zukunftsfähige medizinische Versorgung im Hochwald einsetzen.
Selbstverständlich werden wir Sie über die eingehenden Stellungnahmen, die weiteren Entwicklungen und die nächsten Schritte an dieser Stelle sowie über alle weiteren Informationskanäle der Stadt Wadern fortlaufend informieren.



