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* NEWS, Bürgermeisterinfo

Es geht voran…

Wo stehen wir eigentlich in Sachen medizinische Versorgung in unserer Stadt? Nun, kurz zusammengefasst: Unser Dauereinsatz, gepaart mit einer gehörigen Portion Hartnäckigkeit, zahlt sich aus. Zeit für eine Zwischenbilanz.

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Neuanfang auf der grünen Wiese. Die Fläche rechts der Rettungswache soll das Hauptgebäude des neuen „SHG-Klinikums“ beherbergen. Foto: Stadt Wadern
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Projektskizze eines Klinikgebäudes links von der bestehenden Rettungswache. Fotomontage: SHG

„Nordsaarlandklinik“, „SHG-Klinikum Wadern“, „Gesundheitspark“… Begriffe, die uns seit der Schließung der St. Elisabeth-Klinik im November 2017 ständig begleiten. Und die sich ganz allmählich zu einem Gesamtbild verdichten. Dabei ist der Weg das Ziel, was allen Beteiligten Kreativität, Kompromissbereitschaft und eine erhebliche Portion Flexibilität abverlangt. Das öffentliche Ziel der Stadt Wadern war es seit Bekanntwerden der Schließung der St. Elisabeth-Klinik die medizinische Versorgung auf neue, tragfähige Füße zu stellen. Wir wollten und wollen neue und andere Wege gehen, um einer sich dramatisch wandelnden Struktur im Gesundheitswesen Rechnung tragen zu können. Dabei ist ein ganz wichtiger Faktor, die starren Grenzen zwischen ambulanten, teilstationären und stationären Leistungen durchlässiger zu machen. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg.

In weit über 300 Gesprächen, Diskussionsrunden und Verhandlungen haben wir die Weichen gestellt für eine Neuausrichtung der medizinischen Versorgung im Nordsaarland. Das Erreichte ist dem Engagement vieler Partner zu verdanken. Seien Sie nun direkt aus dem Umfeld der Träger, der Krankenkassen, der Ärzteschaft, des Ministeriums etc. oder aber auch ehrenamtlich für den Neuanfang engagiert, was ja vor allem der unermüdliche Einsatz der Bürgerinitiative eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat bzw. stellt. Gerade die BI hat mit ihrer nie aufgegebenen Forderung nach einer umfassenden Versorgung das Bewusstsein dafür geweckt, dass das Nordsaarland in Sachen medizinischer Versorgung kein weißer Fleck auf der Saarlandkarte bleiben darf. Ihre Hartnäckigkeit – im Schulterschluss mit den intensiven Bemühungen der Stadtverwaltung – hat das Blatt gewendet. Ein herzliches Dankeschön allen Dank, die sich engagiert haben.

Uns als Stadt kommt nun auch weiterhin die Funktion des Mittlers und des – im positiven Sinne des Wortes – „Antreibers“ zu. Diesen Part spielen wir mit viel Engagement und mit Unterstützung der politischen Gremien, die – über viele Kanäle – in jeden einzelnen Schritt in dieser Sache eingebunden waren und sind.

Nachfolgend habe ich Fragen und Antworten zusammengestellt, die uns im Zusammenhang mit den Planungen in Sachen Gesundheitsversorgung oft gestellt werden. Sollten Sie weitere Fragen haben, schreiben Sie mir doch einfach: buergermeister@wadern.de. Ich freue mich auf Ihre Post!

1. Was soll am Standort rund um das ehemalige Krankenhaus gebaut werden?

Die SHG plant hier mit ihrem SHG-Klinikum Hochwald ein Bauwerk zur Realisierung eines sektorenübergreifenden Versorgungsangebotes. Die intersektoralen Gesundheitsdienstleistungen sollen durch enge Verzahnung zwischen ambulanten und stationären sowie telemedizinische Anbindungen an bestehende Kompetenznetzwerke der SHG und der niedergelassenen Ärzte der Region erbracht werden. Vorgesehen ist neben der Unterbringung von ambulanten Strukturen (Arztpraxen) auch die Vorhaltung von etwa 30 Klinikbetten, ergänzt durch jeweils zehn Plätze zur tagesklinischen Versorgung im Fachbereich Psychiatrie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie. In den Klinikbetten sollen Patienten mit niederschwelligen allgemeinmedizinischen, internistischen sowie chirurgischen Krankheitsbildern versorgt werden. Die hierfür erforderliche medizintechnische Infrastruktur (Röntgen, CT und Ultraschall sowie POCT-Labor etc.) wird vorgehalten. Ferner betreut die Saarland-Heilstätten-GmbH im Rahmen vertraglicher Vereinbarungen mit dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar mit ihren Notärzten seit dem 1. Januar 2021 die Rettungswache in Wadern.

2. Wie sieht es mit den Grundstücken aus?

Dass die Flächen links der Rettungswache zur Bebauung freigegeben werden, sicherte der Eigentümer der Flächen, die Marienhaus GmbH, der Stadt Wadern in Gesprächen bereits im September 2020 zu. Strittig war bis vor kurzem allerdings noch der Ansatz, auf Flächen rechts der Rettungswache zurückgreifen zu können. Hier wurde nach etlichen Gesprächen – an denen die Stadt Wadern aktiv mitgewirkt hat – erreicht, dass die SHG dort auf weitere Flächen optional zurückgreifen kann, inklusive dem früheren Parkplatz und dem vorhandenen Hubschrauberlandeplatz.

3. Warum ist der Hubschrauberlandeplatz von Interesse?

Weil von dort aus Patienten mit schwerwiegenderen Erkrankungen in sehr kurzer Zeit in Einrichtungen geflogen werden können, die sie umfassend und auf das spezielle Krankheitsbild hin versorgen können. Eine Forderung der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik ist es hier, den Hubschraubereinsatz auch nachts zu ermöglichen. Dafür bedarf es allerdings speziell ausgebildeter Piloten. Die Thematik wird aktuell diskutiert.

4. Wie sieht es in Sachen Gesundheitspark aus?

Vor der Entscheidung für das SHG-Konzept im November 2020 konzentrierten sich die Bemühungen, einen Gesundheitspark einzurichten, ausschließlich auf eine Grünfläche in der Uhlandstraße bzw. auf die darum befindlichen Gebäude (Ärztehäuser, Apotheken etc.) und Grundstücke. Eine weitere Planung hier – und übrigens darüber hinaus – machte nach Anlaufen des Interessenbekundungsverfahrens Nordsaarlandklinik der Landesregierung aber erst wieder Sinn, als am Ende des Prozesses bekannt war, welches Angebot die SHG am Standort rund um das ehemalige Krankenhaus in Zukunft vorhalten will.

Dabei ist im Übrigen vollkommen klar, dass weitergehende Angebote – in Therapie, Medizin, Pflege und bürgerschaftlichem Engagement – am Standort Wadern nur ergänzend, nicht konkurrierend sein können. Alles andere wäre auch für keinen der Beteiligten wirtschaftlich darstellbar und sinnhaft. Das heißt, es gibt keine konkurrierenden Projekte, sondern ausschließlich Projekte und Projektideen, die sich ergänzen. Und jeder Schritt, den jeder Projektteilnehmer macht, ist untereinander abgesprochen und koordiniert. Sinn und Zweck der Vorgehensweise ist es, für die Bürger auf lange Sicht ein möglichst umfassendes medizinisches, aber auch pflegerisches und therapeutisches Angebot auf kurzen Wegen am Standort Wadern vorzuhalten. Das beinhaltet auch den Bedarf an „betreutem“ bzw. „altersgerechten“ Wohnen in verschiedensten Wohnformen.

Genau diese Überlegungen werden nun mit der weiteren Konkretisierung der Pläne zum SHG-Klinikum nachjustiert, ergänzt und angepasst. Das gilt nicht nur für die inhaltliche Ausrichtung, sondern auch für die Frage, wo welche Ansiedlung überhaupt sinnvoll und realisierbar ist. Anders ausgedrückt: Im Moment werden die Karten neu verteilt. Es wird geschaut, was wo wie wann sinnvoll, möglich und machbar ist.

5. Und was plant Marienhaus?

Wenn der Abriss des St.-Elisabeth-Krankenhauses komplett abgeschlossen ist, soll das Alten- und Pflegeheim St. Maria in großen Teilen renoviert und durch einen Erweiterungsbau aufgewertet werden. In einem zweiten Schritt plant die Marienhaus GmbH das Alten- und Pflegeheim durch ein Angebot an Wohnungen/Häusern mit dem Angebot des altersgerechten Wohnens zu ergänzen. Ein exakter Zeitplan zur Realisierung der Projekte steht noch nicht.

6. Welche Position hat die BI Nordsaarlandklinik zur aktuellen Entwicklung?

Die BI Nordsaarlandklinik begrüßt die angekündigte Erweiterung des medizinischen Versorgungsangebots am Ort, einerseits durch einen Gesundheitspark und vor allem durch das Engagement der SHG in Wadern. Sie plädiert dafür, das SHG-Klinikum vom Start weg so attraktiv und effektiv wie nur möglich auszustatten (z.B. Ergänzung der Radiologie durch ein MRT, Ermöglichung von Nachteinsätzen der Rettungshubschrauber) mit dem Ziel, dass es sich zu einem vollwertigen klinischen Zentrum für die Region entwickelt.

7. Wie geht es weiter, wenn aus den Projektskizzen und -ideen konkrete Pläne werden?

Am Ende des Austauschs- und Eruierungsprozesses stehen konkrete Pläne, die verwirklicht werden sollen.  Für jeden der Standorte wird dann ggf. ein Bauleitverfahren durchgeführt, das zum Beispiel eine Änderung des Flächennutzungsplanes bzw. die Aufstellung eines Bebauungsplans bzw. auch mehrerer Bebauungspläne nach sich ziehen wird. Das kann gleichzeitig für mehrere Flächen und Projekte geschehen. Es ist aber auch gut möglich, dass die einzelnen Leitverfahren nacheinander bzw. zeitversetzt ablaufen werden.

8. Wie wird die Öffentlichkeit an diesem Prozess beteiligt?

Allen Projektteilnehmern ist, wie den politisch Verantwortlichen im zuständigen Ministerium und wie auch der Stadtverwaltung, größtmögliche Transparenz wichtig. Abgesehen von Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung (sofern unter Corona-Bedingungen möglich) und Sitzungen der politischen Gremien gibt es im Bauleitverfahren Offenlegungen, Bürgerbeteiligungen etc. Jeder kann, jeder darf und jeder soll seine Meinung über die weitere Entwicklung kundtun und Änderungswünsche, Kritik und Anregungen in die Diskussion einbringen können.

9. Welche Rolle spielt die Stadt im Fortgang der Dinge?

Die Stadtverwaltung hat bislang nichts unversucht gelassen, von der Situation der Schließung eines Krankenhauses und der „Perspektive auf Nichts“ wegzukommen und auf eine Entwicklung des Mittelzentrums Wadern hin zum Dreh- und Angelpunkt der medizinischen Versorgung im nördlichen Saarland hinzuwirken. Sie ist in ihrem Ansinnen massiv und nachhaltig von der Bürgerinitiative Nordsaarlandklinik, aber auch von vielen weiteren Akteuren unterstützt worden.

Wir verstehen unsere Rolle in der weiteren Entwicklung als Bindeglied zwischen den verschiedenen Interessenten und Akteuren. Wir wollen die verschiedenen Denkansätze und Vorhaben moderieren und koordinieren.

Diese Rolle haben in wir zurückblickend in weit mehr als 300 Gesprächen, Diskussionen, Terminen etc. gespielt und diese werden wir auch weiter einnehmen. Die Stadt Wadern will indes kein Medizindienstleister sein, sie kann aber sehr wohl auf verschiedenste Art Partnerrollen einnehmen. Welche genau, das muss und wird man sehen bzw. zu gegebener Zeit auch in den politischen Gremien besprechen.

Wir sind natürlich erster Ansprechpartner in Sachen Bauleitplanung und werden – soweit es in unserer Macht steht – einen raschen Fortgang der Dinge garantieren.

10. Wie sieht der weitere zeitliche Ablauf aus?

Nachdem die Grundstücksfrage bzgl. des SHG-Klinikums auch mit unserer Hilfe offensichtlich geklärt werden konnte, bedarf es nun der Vorlage von Plänen bzw. Konzepten, um eine Bauleitplanung am Standort ehemaliges Krankenhaus in Angriff nehmen zu können. Liegen diese vor, sind der Ortsrat Wadern und anschließend der Stadtrat Wadern gefragt. Die Dauer eines Bauleitverfahrens, das vom Projektträger bzw. von den Interessenten beauftragt und durchgeführt wird, hängt von vielen Faktoren ab, u.a. sind viele externe Beteiligte anzufragen. Die Stadt Wadern wird immer zur Seite stehen, wenn es darum geht, Prozesse oder Vorgänge zu beschleunigen. Im Regelfall dauert ein Bauleitverfahren mindestens ein Jahr.

Die Konzeption Gesundheitspark wird aktuell projektiert. Nach ihrer Vorstellung in den politischen Gremien kann auch hier eine Bauleitplanung angestoßen werden.


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